Stadtgeschichte
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Heute

Unverwechselbar – die Katharinenkirche in Oppenheim

Hoch über der Stadt... Der großartige Anblick der Oppenheimer Katharinenkirche aus südlicher Richtung bewegt seit Jahrhunderten die Menschen. Die Planungen zum Bau der Kirche berücksichtigten die exponierte Lage auf dem Bergsporn. Deshalb wurde die Südseite der Kirche als reich geschmückte Schaufront entwickelt. Die Kirche bildete den Mittelpunkt der ehemaligen freien Reichsstadt . Sie ist repräsentativer Ausdruck eines im Mittelalter blühenden Gemeinwesens. Seit dem Beginn der bau- und kunstgeschichtlichen Forschung im frühen 19. Jahrhundert wird St. Katharinen als wichtigster Kirchenbau der Gotik am Rhein zwischen Straßburg und Köln gewürdigt. Stilistisch können zahlreiche Beziehungen zu Kirchenbauten im Osten Frankreichs und im westdeutschen Raum aufgezeigt werden. Eine Besonderheit stellt die sonst nur bei Bischofskirchen übliche Doppelchörigkeit der Katharinenkirche dar. Das Erscheinungsbild der Katharinenkirche wurde im Laufe der Jahrhunderte durch unterschiedliche Stifter, Bauherren und Nutzungen geprägt. Die jüngere Baugeschichte von St. Katharinen - und auch von Oppenheim selbst – war geprägt von Zerstörung und Wiederaufbau. Diese wechselvolle Geschichte spiegelt sich wider in überaus zahlreichen historischen Bild- und Schriftquellen.
weiterführende Literatur
[1]
[2]
[3]
[4]
Ansicht Oppenheims von Südosten.
Katharinenkirche und Altstadt von Oppenheim, Ansicht von Süden.
Die Katharinenkirche aus der Vogelperspektive

1892

Historisches Zitat zur Katharinenkirche

„Der gegenwärtige Zustand dieser schönen Kirche ist höchst traurig. Die Gewölbe des westlichen Chors und des Schiffs bis an die Arme des Kreuzes, sind eingestürzt, und ersteres hat selbst kein Dach mehr. Auch von den äussern Verzierungen ist bei dem Brande der Kirche, als auf Befehl Ludwig des XIV. die Pfalz verheert wurde, vieles verdorben und abgesprungen. Der wahrscheinlich nahe Ruin dieser Kirche ist um so mehr zu bedauern, da dieselbe hinsichtlich der Eleganz, des Effekts und Richtigkeit der Zeichnung womit alle Theile ausgeführt sind zu den vorzüglichsten Werken gehört.“
weiterführende Literatur
[1]
Georg Moller in Beiträge zur Kenntnis der deutschen Baukunst des Mittelalters, S. 42
[2]
[3]
[4]
Blick in den ruinösen Westchor, um 1876.

1888

Martin Luther und Oppenheim

Mit der aufkommenden Luther-Verehrung im späten 19. Jahrhundert wurden am Wirtshaus, in dem Luther einst auf dem Weg zum Reichstag übernachtet hat, Gedenktafeln angebracht. Ab 1888 wurden zudem einige Kirchenfenster mit entsprechenden Szenen für die Katharinenkirche gestiftet; allen voran das sogenannte „Lutherfenster“, das die Hochzeit von Luther mit Katharina von Bora zeigt. Im Jubiläumsjahr der Reformation 1917 pflanze man eine Luthereiche südlich der Kirche, die heute noch steht. Zum 500-jährigen Jubiläum der Reformation wurde 2017 eine weitere Luthereiche vor dem 1971/74 gebauten Martin-Luther-Haus (Gemeindehaus) gepflanzt.
weiterführende Literatur
[1]
Held, Dorothea: "Im Interesse der Kunst und zur Ehre der deutschen Nation". Zur Wiederherstellung von St. Katharinen in Oppenheim 1689 ‒ 1889. Alzey 2009.
[2]
Held, Dorothea: Erinnerung an Luthers Übernachtung in Oppenheim. In: Oppenheimer Hefte Nr. 41 2012, S.27-35.
[3]
Meyer, Eva: Oppenheim und die Katharinenkirche im Kontext der Reformation. In: Wien, Ulrich A. (Hrsg.): Reformation am Oberrhein. Wahrnehmung von Luther und Calvin in der Region. Speyer 2011.
[4]
Schöbel, Tina: Das barocke „Kannen-Schild“ aus der Katharinenkirche Oppenheim. In: Oppenheimer Hefte 43 (2014), S. 36–42.
Das ehemalige Wirtshausschild des Gasthauses „Zur Kanne“ wird durch den Bezug zu Luthers Aufenthalt in der Sammlung der Katharinenkirche aufbewahrt.

um 1860

Historisches Zitat zur Katharinenkirche

„Die Bemühungen des Herrn Galeriedirectors Müller zu Darmstadt, das Andenken auch dieses bedeutenden Documentes altdeutscher Baukunst zu erhalten, finden wir treulich fortgesetzt, und freuen uns das Arbeiten in Zink zu diesem Zwecke in so hohem Grade förderlich zu sehen. Ist die architektonische Ausführung höchst befriedigend, so setzen die gemalten Fenster mit ihren alleräußersten Einzelheiten in Verwunderung; hält man sie gegen das Licht, so tun sie eine überraschend anziehende Wirkung. Mit zwey Lieferungen soll noch zu Ausgang dieses Jahres das Werk geschlossen seyn. Schreitet nun das Boisseréesche über den Cöllner Dom und das Mollerische über den Freyburger seiner Vollendung zu, so werden wir endlich zu dem klarsten Anschauen gelangen, wie in einer düster-unruhigen Zeit die colossalsten Conceptionen zu den höchsten Zwecken und dem frömmsten Wirken sich in der Baukunst hervorthaten, und in der ungeeignetesten Weltepoche Maß und Harmonie ihr Reich zu befestigen und zu erweitern trachteten.“
weiterführende Literatur
[1]
Johann Wolfgang von Goethe über das Tafelwerk zur Oppenheimer Katharinenkirche von Franz Hubert Müller in »Kunst und Altertum«, Band VI, Heft 2:
[2]
[3]
[4]
Johann Wolfgang von Goethe, Ölgemälde von Joseph Karl Stieler, 1828

um 1825

Goethe und die Katharinenkirche

Für das ihm zugesandte Werk bedankte sich Goethe mit einer lobenden Rezension: »Die Bemühungen des Herrn Galeriedirectors Müller zu Darmstadt, das Andenken auch dieses bedeutenden Documentes altdeutscher Baukunst zu erhalten, finden wir treulich fortgesetzt, und freuen uns das Arbeiten in Zink zu diesem Zwecke in so hohem Grade förderlich zu sehen. Ist die architektonische Ausführung höchst befriedigend, so setzen die gemalten Fenster mit ihren alleräußersten Einzelheiten in Verwunderung; hält man sie gegen das Licht, so tun sie eine überraschend anziehende Wirkung. Mit zwey Lieferungen soll noch zu Ausgang dieses Jahres das Werk geschlossen seyn.«
weiterführende Literatur
[1]
Franz Hubert Müller: Die St. Catharinenkirche zu Oppenheim. Ein Denkmal teutscher Kirchenbaukunst aus dem 13. Jahrhundert. Dritte Auflage, Frankfurt am Main 1853, S. 39.
[2]
Neuer Nekrolog der Deutschen, Dreizehnter, Jahrgang, 1835, S. 381.
[3]
Julian Hanschke: Oppenheim am Rhein in historischen Ansichten. Mainz 2006, S. 25-27.
[4]
F. H. Müller, Katharinenkirche – Ansicht von Südosten, 1829.
F. H. Müller, Katharinenkirche – Ansicht von Süden, 1829.

1823-1829

Historisches Zitat zur Katharinenkirche

„Der jetzige, äusserst verwahrloste, traurige Zustand dieses ehrwürdigen Denkmales, dessen gänzliche Zerstörung man mit der Zeit als gewiss befürchten muss, war es vorzüglich, was mich zu einer so grossen Arbeit bewog. Das Gemüth wird bei dem Gedanken an den unvermeidlichen Untergang eines so vollendeten Werkes schmerzlich bewegt und mit Trauer erfüllt. Auch ich wurde oft bei der Aufnahme dieser Kirche von solchen Gefühlen ergriffen, und sowie man scheidenden geliebten Personen eine ganz besondere Aufmerksamkeit, bezeigt, so wurde ich dabei zu ähnlichem Bestreben beseelt. Möge es mir gelungen sein, gleiche Theilnahme bei den Freunden und Kennern der teutschen Kunst zu erwecken.“
weiterführende Literatur
[1]
Franz Hubert Müller, Die St. Catharinenkirche zu Oppenheim: Ein Denkmal teutscher Kirchenbaukunst aus dem 13. Jahrhundert. Darmstadt 1823-1829:
[2]
[3]
[4]
Franz Hubert Müller, Ansicht der Katharinenkirche von Südosten, um 1823.

1810-1821

Historisches Zitat zur Katharinenkirche

Sulpiz Boisserée besuchte zwischen 1810 und 1821 sechsmal Oppenheim. Anläßlich eines Oppenheim- Besuches vom 21.–24. Oktober 1810 notierte er in seinem Tagebuch: „Abends kam ich über Guntersblum, wo ich nicht bleiben mochte, im Dunkel nach Oppenheim – da freute ich mich von Herzen über die schöne Catherinen-Kirche und zeichnete und maß sie.“
weiterführende Literatur
[1]
[2]
[3]
[4]
Sulpiz Boisserée Zeichnung von Peter von Cornelius

1705

Historisches Zitat zur Katharinenkirche

„Anno 1689 abgebrannt, die Gewölbe eingefallen, nach dem Friedensschluss wieder erbaut die Dächern, Rossziegeln, einem Turm von Laye, und die Fenstern, auch endlich einer Kanzel versehen worden. […] Fehlet noch die völlige Ausfertigung des hinteren Baus, die Legung des Oberbodens, Zurüstung des Inbaus, Bewerfung und Reparation der Mauern, Fertigung der Bänk und Stühle.“
weiterführende Literatur
[1]
[2]
[3]
[4]
Johannes Ruland, Innenansicht des Langhauses der Oppenheimer Katharinenkirche, um 1790.

1698

Historisches Zitat zur Katharinenkirche

Urkunde des Pfarrers Johann Philipp Heucher und der Mitglieder des Kirchen- und Stadtrats, ausgefertigt zum Zweck einer Kollektenreise im Jahre 1698: In der Urkunde wurde zunächst auf den zerstörerischen Krieg vor fast zehn Jahren zurückgeblickt, als die „landsverderbliche Kriegsflamm Anno 1689 den 3ten Pfingsttag auch unsere ChurPfältzische Ober-Ambts Statt Oppenheim am Rhein ergriffen, und dergestalten umb sich gefressen, biß durch derent wütendes Feuer, unsere zuvor weitberühmte herrliche Kirche biß auff den Grund eingeäschert.“ Um 1698 feierte die Gemeinde unter den erhaltenen Gewölben und nachdem diese einstürzten in den offenstehenden Türmen Gottestdienst und versuchten damit, „elendiglich [sich] zu behelffen“. Die Gemeinde wuchs allmählich... so wolle man, dass „diese unsere vormahls berühmte, nun aber in einen Steinhaufen verkehrte Kirche nicht also länger zerstöret, wie eine Wüsteney, uns zur Schmach und Nachtheil liegen bleibe, sondern die zufallene Mauern unser Zions wieder erbauet und aufgerichtet werden“.
weiterführende Literatur
[1]
Original im Evangelischen Kirchenarchiv Oppenheim. Hier Zitat nach Dorothe Held, St. Katharinen in Oppenheim, 1689-1889, S. 14f.
[2]
[3]
[4]
Stadtbrand von Oppenheim 1689, zeitgenössische Darstellung.

1689

Oppenheim und St. Katharinen im Pfälzischen Erbfolgekrieg

Der endgültige Niedergang Oppenheims im 17. Jahrhundert setzte mit dem Ausbruch des Pfälzischen Erbfolgekrieges ein. Kurfürst Karl I. Ludwig hatte mit der Verheiratung seiner Tochter Lieselotte mit dem Bruder des französischen Königs zunächst versucht, das Verhältnis mit Frankreich zu befrieden. Nach dem Ableben Karls II. war die pfälzische Kurwürde an den nächsten männlichen Anverwandten – an Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg – übergegangen. Trotz der noch zur Lebzeiten Karls geregelten Nachfolge erhob Ludwig XIV. von Frankreich Ansprüche auf das Erbe seiner Schwägerin. Als seine Forderungen nicht erfüllt wurden, ließ er die Pfalz durch die französische Armee unter der Führung Marchall Duras’ im Oktober 1688 besetzen. Im daraufhin vom Kaiser ausgerufenen Reichskrieg verbündeten sich die deutschen Fürsten mit England, Savoyen und den Niederlanden zur „Großen Allianz“. Als sich abzeichnete, dass die französischen Truppen nicht in der Lage sein würden, die eroberten Gebiete zu halten, erging der Befehl, das Grenzland zu verwüsten. In der nun folgenden Besatzungszeit begann die Entfestigung Oppenheims. Am 16./17. Mai 1689 kam der Befehl, die Städte Speyer, Worms und Oppenheim zu zerstören. Die Bürger der Städte wurden über die geplanten Zerstörungen informiert und sollten ihre mobile Habe zu retten. Am 31. Mai 1689 brannten französische Truppen Oppenheim - neben Speyer und Worms - nieder.
weiterführende Literatur
[1]
Heinrich Freiherr von Schmidt: Der Ausbau und die Wiederherstellung der St. Katharinenkirche zu Oppenheim a. Rh., Festschrift zur Feier der Vollendung am 31. Mai 1689. Oppenheim 1889.
[2]
Dorothea Held: St. Katharinen in Oppenheim 1689-1889. Alzey 2009, S. 10-12.
[3]
[4]
Inschrift oberhalb des westlichen Vierungsbogens, vom Dachwerk des Mittelschiffes fotografiert.
Unbekannter Künstler, Die Zerstörung Oppenheims im Pfälzischen Erbfolgekrieg, 1689.
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1688

Einnahme der Stadt durch die französische Armee im September 1688

Im Zuge des Pfälzischen Erbfolgekrieges kam es am 21. September 1688 zur Einnahme Oppenheims durch französische Truppen. Während die Stadt durch Vermittlung des Stadtschreibers ohne Gewaltanwendung übergeben wurde, entschloss sich der Kommandant des „Schlosses“, den Ort zu halten. Folglich sahen sich die Franzosen gezwungen, vom Kirchhof der Katharinenkirche aus die in der Burg Landskron verschanzte Besatzung zu attackieren. Nach einem halbtägigen Gefecht und dem Sturm auf das unweit nördlich der Kirche gelegene Burgtor, ergab sich die Oppenheimer Garnison.
weiterführende Literatur
[1]
[2]
[3]
[4]
Burgruine Landskrone.

1645

Historisches Zitat zur Katharinenkirche

„Hat eine Pfarrkirch zu S. Catharina / genant / ziemlich groß / und eine von den schönsten Kirchen am Rheinstrom / ist zierlich und wol gebauet / von vielen Fenstern / gar hell / und hat zwey Chor / eins gegen Morgen / das ander gegen Abend / ist im Jahr 1258. von Gerardo, dem Ertzbischoffen zu Mäyntz / gestifftet worden.“
weiterführende Literatur
[1]
Martin Zeiller in Matthäus Merian/Martin Zeiller: Topographia Palatinatus Rheni, Frankfurt 1645.
[2]
[3]
[4]
Zeiller ist das typische Beispiel eines barocken Polyhistors und Kompilations-Schriftstellers. Er verfasste zahlreiche Bücher. Am bekanntesten ist seine Mitwirkung als Textautor an Matthäus Merians Topographia Germaniae.

1643

Historisches Zitat zur Katharinenkirche

„Oppenheim gleicht Jerusalem. Eins mus ich hie erinnern: Man sagt weit und breidt, Oppenheim liege der gegendt nach alß Jerusalem, daß Schloß als Davidts burgk, die Kirch alß der Tempel Salamonis. Die Kirch zu St. Catharinen, welche liegen soll als der Tempel Salomonis ist zu bauwen angefangen im Jahr Christi 1262 undt im Jahr 1317 bis ahn den Neuwen Chor absolvieret worden. Es solle aber zuvor schon eine Capell dherumb gestanden haben. Daß Neüwe Chor deren ist geweyhet worden ao 1439. Dieße Kirch ist von Steinwerk ein sehr schön undt antiquitätisch gebäuw, hat 3. gewölbe über einander kunstreich gemacht, mit sehr kunstreichen im Stein Stein gehauwenen Fenstern; Stehet uff 12 überaus schönen zwölffkantigen Säulen, welche sehr kunstreich undt wohl zu sehen, wie nicht weniger auswendig die gesimbts umb die Kirch, wie auch Kirchenthüren mit hübschem Steinwerk kunstreich gemacht, sampt 3 hohen Kirchenthürmen lustig anzusehen gezieret, wie der augenschein in Warheit es selbsten loben kann.“
weiterführende Literatur
[1]
Jakob Polius, Oppenheimer Chronik von 1643.
[2]
[3]
[4]
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Stadtansicht von Matthäus Merian, 1645.

1618-1648

Oppenheim im Dreißigjährigen Krieg

Nach der verlorenen Schlacht am Weißen Berg bei Prag und dem Untergang der kurzfristigen Regentschaft des pfälzischen Kurfürsten Friedrich V. in Böhmen wurde die Kurpfalz zum Schauplatz kriegerischer Ereignisse, in deren Folge Truppen der katholischen Liga unter Don Ambrosius Spinola Oppenheim besetzten. Ein Reiterporträt des spanischen Generals Spinola mit Oppenheim im Hintergrund erinnert an die Rekatholisierung Oppenheim im Jahre 1620. In der Folgezeit, d.h. bis ca. 1624 hatte sich die militärische Lage zunächst deutlich zugunsten des Kaisers und seiner Verbündeten gewendet. Ab 1624 formierten sich dann die protestantischen Gegner Habsburgs zu einer Allianz. Mit der Haager Allianz, welcher sich England, die Niederlande und Dänemark anschlossen, sollte die habsburgische Vormachtstellung zurückgedrängt werden. Nach weiteren Niederlagen, die General Wallenstein den Protestanten beifügte, schien die „Protestantische Sache“ um 1630 gänzlich gescheitert. Die drohende Vormachtstellung des Kaisers im Norden des Reiches rief in dieser Phase des Krieges König Gustav Adolf von Schweden auf den Plan. Gustav Adolf gelang es, mit über 40.000 Mann am 17. September 1631 in der Schlacht bei Breitenfeld nördlich von Leipzig die von Tilly angeführte katholische Liga zu besiegen. Wie Don Ambrosius Spinola ist auch Gustav Adolf von Schweden mit der Oppenheimer Stadtgeschichte eng verbunden. In Oppenheim gelang es Gustav Adolf mit seinem Heer, auf Holzflößen den Rhein zu überqueren – ein wichtiges militärisches Ereignis - das in zahlreichen Schriften der Zeit und in einem großen militärischen Panoramabild von Matthäus Merian festgehalten und propagandistisch überhöht wurde. An den Ort des Rheinübergangs bei Erfelden, nahe der Rheininsel Kühkopf erinnert bis heute die sogenannte Schwedensäule, welche 1632 errichtet wurde.
weiterführende Literatur
[1]
Jörg-Peter Findeisen: Gustav II. Adolf von Schweden: der Eroberer aus dem Norden. Gernsbach 2005. Johannes Arndt: Der Dreißigjährige Krieg 1618–1648. Stuttgart 2009.
[2]
Cicely Veronica Wedgwood: Der Dreißigjährige Krieg. München 1967.
[3]
Carl Wernher: Gustav Adolf in Oppenheim, in: Aus alten Zeiten, Blätter für die Geschichte der ehemaligen Reichsstadt und der Orte des Oberamtes Oppenheim 6 (1911), S. 41-48.
[4]
M. Merian d. Ä., Reiterporträt des Marquis de Spinola, im Hintergrund Oppenheim – Ansicht von Südosten, um 1620.
M. Merian d. Ä. nach W. Hollar, Blick von einer Anhöhe auf das Rheintal bis Worms, rechts die Stadt Oppenheim. Im Vordergrund die schwedische Armee beim Überqueren des Rheins, 1633 (Ausgabe von 1646).
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1615

Albert Molnár in Oppenheim

Religiöse Spannungen hatten im frühen 17. Jahrhundert zu enormen Migrationsbewegungen geführt. Auch Oppenheim war von diesen Vorgängen massiv berührt. Ab 1609 siedelten sich auf dem westlichen Gebiet der Altstadt Hugenotten an, die von den Spaniern aus Frankreich und den Niederlanden vertrieben worden waren. Die Integration der Hugenotten bedeutete für Oppenheim eine wirtschaftliche Blüte. So erhielt Oppenheim beispielsweise mit der Verlegerfamilie de Bry ein weiteres international tätiges Verlagshaus, in welchem zahlreiche bekannte Schriften entstanden. Das verhältnismäßig weltoffene Klima, das bis zum Vorabend des Dreißigjährigen Krieges in Oppenheim herrschte, ermöglichte es, dass 1615 der Ungar Albert Molnár vom reformierten Heidelberger Kirchenrat zunächst zum Kantor, dann zum Rektor der Schule an St. Katharinen ernannt wurde. Ab 1615 war der bekennende Calvinist Albert Molnár Kantor und Schulmeister an der Oppenheimer Sebastianskirche. 1617 wirkte er schließlich als Rektor der Oppenheimer Lateinschule, eine Tätigkeit, die er jedoch nur für zwei Jahre ausübte.
weiterführende Literatur
[1]
Licht, Hans: Biographie Albert Molnár und Oppenheim veröffentlicht in „Oppenheim, Geschichte einer alten Reichsstadt“ (anlässlich der 750jährigen Wiederkehr der Stadterhebung), Oppenheim 1975, S. 140-142.
[2]
Giebermann, Gerriet: Albert Molnár (1574–1634), ungarischer reformierter Theologe und Wandergelehrter, 1615–1619 Kantor und Rektor in Oppenheim, veröffentlicht in Oppenheimer Hefte Nr. 30/31 – Dez 2005, Seiten 2–100, ISBN 3-87854-197-X (Hrsg. Oppenheimer Geschichtsverein, Schriftltg. Martin Held)
[3]
Wolfram Hauer: Deutschland und Ungarn in ihren Bildungs- und Wissenschaftsbeziehungen während der Renaissance, Franz Steiner Verlag, 2004, u. a. S. 209.
[4]
Jože Krašovec: Interpretation der Bibel, Continuum International Publishing Group, 1998, u. a. S. 1258 Online Constantin von Wurzbach: Molnár, Albert. In: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich. 19. Theil. Kaiserlich-königliche Hof- und Staatsdruckerei, Wien 1868, S. 25 f. (Digitalisat).
Zeitgenössisches Porträt von Albert Molnár (1574-1634).

16./17. Jahrh.

Oppenmheim und der Humanismus

Im 16./ 17. Jahrhundert tat sich die kurpfälzische Oberamtsstadt Oppenheim durch ein reges Geistesleben hervor. In diesem Zusammenhang spielte auch der Oppenheimer Humanist Jakob Köbel (1462-1533) eine wichtige Rolle. Köbel wirkte ab 1494 als Stadtschreiber von Oppenheim. Neben seiner Tätigkeit als Rechtsgelehrter leitete er einen Verlag. Aus seiner Feder stammen u.a. ein Rechenbuch von 1514, ein Buch über Feldmessung sowie verschiedene Bücher über Geometrie und Zeitmessung. Köbel starb am 31. Januar 1533. Sein Grab befindet sich in der Oppenheimer Katharinenkirche.
weiterführende Literatur
[1]
Hartmut Hegeler, Oppenheimer Pfarrer gegen Folter und Hexenprozesse. In: Oppenheimer Hefte 23 (2001), S. 22-24.
[2]
Hartmut Hegeler: Anton Praetorius, Kämpfer gegen Hexenprozesse und Folter. Zum 400-jährigen Gedenken an das Lebenswerk eines protestantischen Pfarrers. Eigenverlag, Unna 2002.
[3]
Hartmut Hegeler: Antonius Praetorius. Vom Kirchenreformator zum Kämpfer gegen Hexenprozesse und Folter in der Wetterau. De Pii Magistratus Officio. Über des gottesfürchtigen Amtsträgers Pflicht, Recht und Amtsgewalt in der Gottesverehrung und den nach der Vorschrift des Wortes Gottes zu erneuernden Kirchen. = Des frommen Amtsträgers Pflicht. Originalschrift aus dem Jahre 1596 an Wolfgang Ernst, Graf von Büdingen. Übersetzt von Burghard Schmanck. Bearbeitet und herausgegeben von der Geschichtswerkstatt Büdingen, Joachim Cott. Geschichtswerkstatt Büdingen, Büdingen 2006
[4]
Anton Praetorius, Titelseite seines Werkes gegen den Hexenwahn, Auflage von 1629.

1565

Reformation und Bildersturm

Die Reformation kam erst spät nach Oppenheim. Damals gehörte die Stadt zum Herrschaftsbereich der Kurpfalz. Kurfürst Ottheinrich versuchte 1557, die Reformation einzuführen; konnte sich jedoch gegen den Oppenheimer Stadtrat nicht durchsetzen, so dass zunächst auch andere Glaubensgemeinschaften in den Kirchen praktizieren konnten. Erst Ottheinrichs Nachfolger, Friedrich III. reiste persönlich nach Oppenheim, um die Reformation durchzusetzen. Im Zuge dieser gewaltsamen Reformierung kam es zu einem Bildersturm in den Kirche der Stadt. Diesen unruhigen Zeiten fiel das gesamte kirchliche Inventar zum Opfer. In der Katharinenkirche gingen das Sakramentshaus, der Taufstein, Kruzifixe und zahlreiche Bildwerke verloren. Vor allem die figürlichen Darstellungen aus dem Kirchenraum wurden verbannt. Heute fehlen in der Katharinenkirche jegliche Figuren auf den Tragsteinen. Die vorhandenen Orgeln wurden hingegen nicht zerstört – jedoch wurden die Prospekte übermalt. Glücklicher Weise überstanden viele Glasmalereien, Reliefarbeiten und Grabmalen den Bildersturm unbeschadet und sind bis heute erhalten geblieben. .
weiterführende Literatur
[1]
Held, Dorothea: "Im Interesse der Kunst und zur Ehre der deutschen Nation". Zur Wiederherstellung von St. Katharinen in Oppenheim 1689 ‒ 1889. Alzey 2009.
[2]
Meyer, Eva: Oppenheim und die Katharinenkirche im Kontext der Reformation. In: Wien, Ulrich A. (Hrsg.): Reformation am Oberrhein. Wahrnehmung von Luther und Calvin in der Region. Speyer 2011.
[3]
[4]
Leere Konsolen am Südquerhaus - der figürliche Schmuck wurde durch den Bildersturm zerstört..
Leere Konsolen an den Pfeilern im Langhaus - der figürliche Schmuck wurde durch den Bildersturm zerstört..

1521

Martin Luther in Oppenheim

Im Jahr 1521 übernachtete Martin Luther zweimal in Oppenheimer Gasthof „Zur Kanne“ (Mainzer Str. 11-13). Er befand sich in Begleitung des aus Oppenheim stammenden Reichsherolds Kaspar Sturm. Während seines Aufenthaltes in Oppenheim bekommt Luther das Angebot, zu seinem persönlichen Schutz auf der Ebernburg bei Franz von Sickingen unterzukommen. Luther lehnt dieses Angebot jedoch ab und reist weiter nach Worms. Der ursprüngliche Bau des Gasthauses brannte 1621 nieder. Heute steht an dieser Stelle ein Gebäude des 18. Jahrhunderts.
weiterführende Literatur
[1]
Held, Dorothea: "Im Interesse der Kunst und zur Ehre der deutschen Nation". Zur Wiederherstellung von St. Katharinen in Oppenheim 1689 ‒ 1889. Alzey 2009.
[2]
Held, Dorothea: Erinnerung an Luthers Übernachtung in Oppenheim. In: Oppenheimer Hefte Nr. 41 2012, S.27-35.
[3]
Meyer, Eva: Oppenheim und die Katharinenkirche im Kontext der Reformation. In: Wien, Ulrich A. (Hrsg.): Reformation am Oberrhein. Wahrnehmung von Luther und Calvin in der Region. Speyer 2011.
[4]
Schöbel, Tina: Das barocke „Kannen-Schild“ aus der Katharinenkirche Oppenheim. In: Oppenheimer Hefte 43 (2014), S. 36–42.
Gasthausschild der Oppenheimer "Kanne".

1410

König Ruprecht stirbt in Oppenheim auf Burg Landskron

1410 starb König Ruprecht in Oppenheim auf Burg Landskron, die ihm nachweislich als Residenz während seiner häufigen Aufenthalte in Oppenheim diente, darunter im September 1403 und 1405 bei einem Treffen der Kurfürsten in Oppenheim. Als weiteres Indiz für eine pfälzische Einflussnahme stellt die allerdings unverbürgte Überlieferung dar, dass 1632 das Herz Friedrichs V. von der Pfalz im Westchor der Oppenheimer Katharinenkirche bestattet wurde.
weiterführende Literatur
[1]
Wilhelm Franck: Geschichte der ehemaligen Reichsstadt Oppenheim am Rhein. Nach urkundlichen Quellen be- arbeitet. Darmstadt 1859, S. 43.
[2]
Carl Wernher: Rheinhessen in seiner Vergangenheit. Band 6: Oppenheim. Mainz 1925.
[3]
Walther Möller: Die Wappen in den Glasfenstern der Katharinenkirche zu Oppenheim. In: Ernst Jungkenn: Neue Forschungen zur Geschichte Oppenheims und seiner Kirchen. Darmstadt 1938, S. 110-126.
[4]
Oliver Auge: Ein kleiner König? Zum 600. Todestag König Ruprechts von der Pfalz (14001410). In: Oppenheimer Hefte 39 (2011), S. 2-29.
Grabmal König Ruprechts in der Heiliggeistkirche zu Heidelberg.

14. /15. Jahrh.

Jüdisches Leben in Oppenheim

Ab dem späten 13. Jahrhundert ist eine jüdische Gemeinde in Oppenheim nachweisbar. Nach der Verfolgung in den Pestpogromen von 1349 siedeln sich bereits 1353 wieder Juden in Oppenheim an. König Ruprecht III. bestätigte den Juden im Jahr 1400 ihre Freiheiten und gewährt ihnen Wohnrecht, solange sie ihre Steuern zahlen. Das Oberamt Oppenheim ist damit eine der wenigen Gegenden in der Kurpfalz, die im späten 15. Jahrhundert eine jüdische Gemeinde beherbergen. Jedoch waren die Schutzzahlungen für manche jüdischen Familien auf Dauer nicht tragbar. 1674 ist eine Auflistung der „Recognitionsgelder“ (Schutzgelder) für Juden aus dem überliefert. Die drei dort aufgelisteten Juden sind die einzigen, die Zahlungen ganz oder wenigstens zur Hälfte leisten konnten. Durch die jüdische Gemeinde entsteht auch der Bedarf an Räumen für den religiösen Gebrauch. 1324/25 wird in Oppenheim die erste Synagoge gebaut. Ein Ritualbad (Mikwe) ist hingegen bislang nicht nachweisbar. Die Synagoge wurde wohl 1349 im Zuge des Pogroms zerstört. Von dieser ersten Synagoge ist ein Inschriftenfragment am sogenannten „Gelben Haus“ (Kirchstraße 29) in Oppenheim erhalten; das heute dort stehende Gebäude stammt allerdings aus dem 18. Jahrhundert. Eine neue Synagoge in der Rathofstraße / Ecke Kirchgasse wurde 1864 mit finanzieller Unterstützung des Stadtrates errichtet. Diese Synagoge fiel 1938 der Reichspogromnacht zum Opfer.
weiterführende Literatur
[1]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Kulturdenkmäler in Rheinland‒Pfalz. Kreis Mainz‒Bingen: Verbandsgemeinde Nierstein‒Oppenheim. Bearbeitet von Dieter Krienke. Band 18.3. Worms 2011. Die Inschriften der Stadt Oppenheim. Bearbeitet von Siegrid Düll. Wiesbaden 1984. (Die Deutschen Inschriften Band 23)
[2]
Löwenstein, Leopold: Geschichte der Juden in der Kurpfalz nach gedruckten und ungedruckten Quellen dargestellt. Frankfurt 1895.
[3]
[4]

14. Jahrh.

Ein vielschichtiges Erscheinungsbild

Nach dem Aufblühen der freien Reichstadt Oppenheim wandelten sich ab dem 14. Jahrhundert die politischen Verhältnisse. Dies führte nach und nach zum Verlust der städtischen Unabhängigkeit. Kennzeichnend ist hierfür die Verpfändung Oppenheims an den Mainzer Erzbischof Peter von Aspelt im Jahre 1315. Aus eigener Kraft gelang es der Stadt 1353, sich aus der Pfandschaft zu lösen. Nach nur drei weiteren Jahren verpfändete Kaiser Karl IV. Oppenheim an das Mainzer Bistum. Nach dem Ende der Mainzer Pfandschaft wurde Oppenheim 1375 schließlich von der Kurpfalz erworben. Als 1398 die Erblichkeit der kurpfälzischen Pfandschaft festgeschrieben wurde, hatte Oppenheim de facto seinen Status als freie Reichsstadt verloren. Diese wechselnden Herrschaftsverhältnisse haben auch an St. Katharinen Spuren hinterlassen. Als unbestritten gilt, dass die große Schaufront nach Süden auf die Bautätigkeit des Mainzer Erzstifts zurückgeht.
weiterführende Literatur
[1]
Wilhelm Franck: Geschichte der ehemaligen Reichsstadt Oppenheim am Rhein. Nach urkundlichen Quellen be- arbeitet. Darmstadt 1859, S. 43.
[2]
Carl Wernher: Rheinhessen in seiner Vergangenheit. Band 6: Oppenheim. Mainz 1925.
[3]
Walther Möller: Die Wappen in den Glasfenstern der Katharinenkirche zu Oppenheim. In: Ernst Jungkenn: Neue Forschungen zur Geschichte Oppenheims und seiner Kirchen. Darmstadt 1938, S. 110-126.
[4]
Oliver Auge: Ein kleiner König? Zum 600. Todestag König Ruprechts von der Pfalz (14001410). In: Oppenheimer Hefte 39 (2011), S. 2-29.

um 1400

Die Pfalzgrafschaft bei Rhein als Stifter an St. Katharinen

Wie es scheint, war im frühen 15. Jahrhundert auch die Pfalzgrafschaft bei Rhein als Stifter an St. Katharinen involviert gewesen sein. So fällt die Errichtung des Westchors bald nach 1400 in die frühe Phase der kurpfälzischen Pfandschaft bzw. in die Regierungszeit König Ruprechts von der Pfalz und seines Sohnes Ludwigs III. Wie am Ruprechtsbau des Heidelberger Schlosses wurde der Frankfurter Dombaumeister Madern Gerthener als planender Werkmeister berufen.
weiterführende Literatur
[1]
Wilhelm Franck: Geschichte der ehemaligen Reichsstadt Oppenheim am Rhein. Nach urkundlichen Quellen be- arbeitet. Darmstadt 1859, S. 43.
[2]
Carl Wernher: Rheinhessen in seiner Vergangenheit. Band 6: Oppenheim. Mainz 1925.
[3]
Walther Möller: Die Wappen in den Glasfenstern der Katharinenkirche zu Oppenheim. In: Ernst Jungkenn: Neue Forschungen zur Geschichte Oppenheims und seiner Kirchen. Darmstadt 1938, S. 110-126.
[4]
Oliver Auge: Ein kleiner König? Zum 600. Todestag König Ruprechts von der Pfalz (14001410). In: Oppenheimer Hefte 39 (2011), S. 2-29.

27.7.1317

Doppelte Aufgabe - das Katharinenstift

Die Gründung des Katharinenstifts erfolgt am 27.7.1317 durch den Mainzer Erzbischof Peter von Aspelt. Statt der ursprünglich geplanten zwölf Kanoniker besteht das Stiftspersonal zu Beginn aus einem leitenden Propst und zehn Kanonikern. Der amtierende Pfarrer Drabodo wurde zum Propst ernannt, die zehn Vikare zu Kanonikern befördert. Da der Pfarrer nun das Amt des Propstes innehatte, wurden für die Seelsorge zusätzlich zwei Kanoniker bestellt. Durch die Vereinigung von Pfarrei und Stift wurden sowohl Pfarrmessen als auch Messen der Stiftsgeistlichkeit in der Kirche abgehalten. Für die Stiftsangehörigen wurde erst 100 Jahre nach der Gründung mit dem Westchor ein eigener Raum für Messfeiern geschaffen. Die Mitglieder des Katharinenstifts stammten überwiegend aus dem Oppenheimer Bürgertum. Viele der Kanoniker besaßen eine akademische Ausbildung. 28 der Stiftsangehörigen sind in der Katharinenkirche bestattet worden. Mit der Einführung der Reformation ging es auch mit dem Stift langsam zu Ende; im Jahr 1565 besteht das Stift nur noch aus drei Mitgliedern.
weiterführende Literatur
[1]
Hehl, Ernst-Dieter: Das Kollegiatsstift St. Katharina zu Oppenheim. In: Servatius, Carlo / Steitz, Heinrich / Weber, Friedrich: St. Katharinen zu Oppenheim. Lebendige Steine ‒ Spiegel der Geschichte. Oppenheim 1989, S. 59‒86.
[2]
Schnabel, Berthold/Schöbel, Tina: Oppenheim, St. Katharina. Kollegiatstift. In: Pfälzisches Klosterlexikon. Handbuch der pfälzischen Klöster, Stifte und Kommenden. Band 3 M‒R herausgegeben von Jürgen Keddigkeit, Matthias Untermann, Hans Ammerich, Pia Heberer und Charlotte Lagemann (Beiträge zur pfälzischen Geschichte 26.3). Kaiserslautern 2015, S. 478‒517.
[3]
[4]
Grabinschriften des 15. Jahrhunderts von Stiftskanonikern an den Seitenkapellen

1315-1317

Die Hungersnot von 1315-1317

Während das 13. Jahrhundert als Phase des wirtschaftlichen Aufschwungs in die Geschichte eingegangen ist, war das 14. Jahrhundert von Krisen gekennzeichnet: Als katastrophal erwies sich die Pest um 1349. Große Teile der europäischen Bevölkerung wurden durch die Seuche dahingeraffte. Die Hungersnot von 1315–1317 hatte ähnliche Ausmaße. Betroffen waren unter anderem Deutschland, Frankreich, die Niederlande, die Britischen Inseln, Skandinavien, Osteuropa, Spanien und in geringerem Maße Norditalien. Die Preise für Getreide stiegen enorm an. In der Folge verhungerten mehrere Millionen Menschen. Ganze Dörfer starben aus und wurden zu Wüstungen. Die feuchte und kalte Witterung der Jahre 1315–1317 traf auf eine verwundbare Gesellschaft: Im Hochmittelalter war es in Europa zu einem starken Bevölkerungswachstum gekommen. Die Agrarproduktion hatte Anfang des 14. Jahrhunderts ihren Höhepunkt erreicht – allerdings nahm im gleichen Maße die Bodenerschöpfung zu; Preissteigerungen durch das Horten von Getreide, kriegerische Auseinandersetzungen und ein für feuchte Witterung anfälliges Transportsystem machten aus den Ernteausfällen erst eine Hungersnot.
weiterführende Literatur
[1]
Eintrag Wikipedia: Hungersnot von 1315–1317
[2]
Werner Rösener: Die Bauern in der europäischen Geschichte. Beck, München 1993, S. 90f.
[3]
[4]
Sogenannter Hungerbrotstein an der Langhaussüdfassade.
Sogenannter Hungerbrotstein an der Langhaussüdfassade.

13. Jahrh.

Der spätromanische Vorgängerbau

Anzunehmen ist, dass St. Katharinen von Anfang an ein Gemeinschaftsprojekt verschiedener Institutionen war: Als Bauherren sind zunächst König Richard und Rudolf von Habsburg zu nennen; beide nutzten Oppenheim als Quartierort auf dem Weg zu den großen Reichstagen. Auch das Erzstift Mainz trat als fördernder Bauherr auf – beim Langhaus, der Schaufassade der Kirche nach Süden hin zur Diözesangrenze in Richtung Worms. Daneben engagierte sich auch der ortsansässige Adel als Geldgeber. Dies ist durch die Wappen in den Fenstern und durch die zahlreichen Grabdenkmäler belegt. Adelsfamilien wie die Dalbergs, Gemmingens, Frankensteins stellen Burgmannen und Ministerialien auf Burg Landskrone und nutzten die Katharinenkirche als Grablege. Schließlich ist als Stifter auch die freie Reichsstadt selbst mit ihrem wohlhabenden Patriziat durch die Ratsfenster als Bauherrin nachgewiesen
weiterführende Literatur
[1]
[2]
[3]
[4]
Rosenfenster von 1332/33 mit Wappen der Ratsmitglieder.

1288

Oppenheimer Neustadt und Burg

Zu Beginn des 13. Jahrhunderts entstand in der Nähe des Burgbergs eine planmäßig angelegte Siedlung. Diese Neugründung ist bis heute im Stadtgrundriss erkennbar: Zwischen den Straßen Nördlich des Marktplatzes errichtete man das Gebäude des Marktvogtes. Die Gründung der Neustadt erfolgte auf dem Gelände, das der König zur Verfügung stellte. Dieser Bereich wird in den Urkunden ‚nova civitas’ oder ‚nova habilitatio’ genannt. Urkunden aus dem 13. Jahrhunderts belegen die Erhebung Oppenheims zur freien Reichsstadt. Um das Wachstum der Stadt zu fördern, sichert Kaiser Friedrich II. im Jahr 1226 den Einwohnern Steuerfreiheit auf 10 Jahre und den Ritterbürgern Freiheit von Abgaben auf immer zu. Der Bau der Stadtmauer ist durch eine Urkunde von 1228 belegt. Diese belegt die finanzielle Beteiligung des Klosters Eberbach. Den Abschluss der Stadtwerdung markierte das Jahr 1234. In diesem Jahr wurde Oppenheim mit den gleichen Rechten wie die junge Reichsstadt Frankfurt ausgestattet.
weiterführende Literatur
[1]
[2]
[3]
[4]
Das Oppenheimer Stadtbild des späten Mittelalters hat Matthäus Merian in einer Stadtansicht von 1645 überliefert.

1276

Wiederaufbau der Burg Landskron

1276 ließ Rudolf von Habsburg die von den Bürgern der Stadt bei einem Aufstand zerstörte Burg wiederherstellen. 1281/82 hielt sich der König sogar über einen Monat in Oppenheim auf. Als Wohnsitz diente ihm die zu diesem Zeitpunkt die neu erbaute Burganlage, die über einen repräsentativen Hauptbau mit einem östlichen Kapellenerker verfügte.
weiterführende Literatur
[1]
[2]
[3]
[4]

1258

Streit um kirchliche Hoheitsrechte

Mitte des 13. Jahrhunderts trat ein rechtlicher Streit bezüglich der kirchlichen Hoheitsrechte in den beiden Oppenheimer Siedlungen auf. 1258 schlichtete König Richard den Konflikt: Er legte die durch Oppenheim verlaufende Grenze zwischen den Diözesen Worms und Mainz neu fest und bestimmte, dass die Altstadt beim Wormser Bistum verbleiben solle, während die Neustadt in kirchlichen Angelegenheiten dem Mainzer Erzbistum unterstellt wurde.
weiterführende Literatur
[1]
Wilhelm Franck: Geschichte der ehemaligen Reichsstadt, Oppenheim am Rhein. Nach urkundlichen Quellen bearbeitet. Darmstadt 1859, S. 16.
[2]
Heinrich Büttner: Die Anfänge der Stadt Oppenheim. In: Archiv für hessische Geschichte und Altertumskunde, Neue Folge, Bd. 24, H. 1 (1951), S. 17-36.
[3]
Ernst Stephan: Die alte Stadt Oppenheim. Ihre Baugeschichte seit den Anfängen. In: Der Wormsgau, Bd. 3, H. 4, 1954/55, S. 157-178.
[4]
Julian Hanschke: Oppenheim am Rhein, Baugeschichte, Baudenkmäler, stadtgestalt, Karlsruhe 2010, S. 23-25.
Die Oppenheimer Neustadt unterhalb der Katharinenkirche, Stadtplan von 1735.

1234

Erhebung zur Stadt und Bauboom

Die Gründung der Katharinenkirche erfolgte vermutlich um 1226 im Zusammenhang – mit der Erhebung Oppenheims zur freien Reichsstadt; dies legen Quellen aus dem Jahr 1234 nahe. Vermutlich erfolgte in dieser Zeit die Fertigstellung des spätromanisch-frühgotischen Vorgängerbaus. Mit der Neuregelung der Diözesangrenze zwischen den Bistümern Mainz und Worms wurde St. Katharinen 1258 zur Pfarrkirche der Oppenheimer Neustadt. Diese erstreckte sich auf dem Gebiet nördlich der Krämerstraße und bildete ein planmäßig angelegtes Quartier mit dem heutigen Marktplatz. Nach der Überlieferung der beiden Oppenheimer Chroniken von 1643 und 1778 soll bereits im Jahr 1262 in Gegenwart von König Richard von Cornwall der Grundstein zum gotischen Neubau der Katharinenkirche gelegt worden sein. Als sicher kann gelten, dass der gotische Chor unter der Schirmherrschaft des Königs und der adeligen Oppenheimer Burgmannen entstand. Die Stifterfenstern im Ostchor legen davon Zeugnis ab. Sowohl Richard von Cornwall als auch sein Nachfolger, Rudolf von Habsburg, haben mehrfach in Oppenheim Station gemacht.
weiterführende Literatur
[1]
Franz Hubert Müller: Die St. Catharinenkirche zu Oppenheim. Ein Denkmal teutscher Kirchenbaukunst aus dem 13. Jahrhundert. Dritte Auflage. Frankfurt am Main 1853, S. 87.
[2]
Bernhard Schütz: Die Katharinenkirche in Oppenheim. Berlin/New York 1982 (Beiträge zur Kunstgeschichte 17), S. 69, 71.
[3]
Christofer Herrmann: Burgruine Landskron Oppenheim.Regensburg 2004, S. 8f.
[4]
Anton Neugebauer: „One of his favourite stopping places in Germany“. König Richard von Cornwall und die Stadt Oppenheim. In: Oppenheimer Hefte 38 (2010), S. 2-57.
Katharinenkirche und Burg Landskrone, Ansicht von Südosten.
Heute
1892
1888
um 1860
um 1825
1823-1829
1810-1821
1705
1698
1689
1688
1645
1643
1618-1648
1615
16./17. Jahrh.
1565
1521
1410
14. /15. Jahrh.
14. Jahrh.
um 1400
27.7.1317
1315-1317
13. Jahrh.
1288
1276
1258
1234